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Tod einer Webkultur

Kultur kontra Profitmaximierung: Das Webradio ist im Internet ein Phänomen, welches unbekannten Musikern und Musikrichtungen die Chance gibt, aktiv Verbreitung zu finden. Wer das ewige Gequassel und die am Ende ausgefadeten bzw. um das letzte Drittel geschnittenen Liedenden bei den stationären Radiostationen satt hat, findet bei Webradios eine völlig neue Einstellung.


Autor: Matthias Reuter (no_comment)
Datum: 25-04-2005, 00:16:10
Referenzen: PC-Intern.com
Schwierigkeit: none
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Einleitung

Die oft nach dem Motto "Von Hörern für Hörer" produzierten Webradios treffen den Nerv vieler internetaffinen aber mitlerweile werbeallergischen Zuhörer.

Das ganze soll aber ab April 2005 der Vergangenheit angehören. Die vorher privat und ohne Gewinnabsicht mit minimalen Verwertungsgebühren bereitgestelten Webradios sehen einer Steigerung Ihrer Kosten um 300 bis 1000 Prozent entgegen und kalkulieren bereits jetzt ihr Ende aus. Diese horrenden Kosten lassen sich nur noch von großen Sendeanstalten finanzieren. Diese werden dementsprechend mehr Mainstream senden und durch Werbeblöcke und andere Verwertungsideen versuchen die exorbitanten Kosten einzuspielen.

Die derzeit nicht zählbaren privaten Spartenradios werden de facto nicht mehr existieren. Damit verliert Deutschland ein kulturelles Sprachrohr.

Das ganze wird von der GVL hervorgerufen, die damit gleich 2 Fliegen mit einer Klappe schlägt: Die Reduzierung der kostenlos per Webradio angebotenen Independent Musik fördert gleichzeitig die Käufe dieser und lässt gleichzeitig die gewinnträchtigen Mainstream-Label ein weiteres Monopol im Webbereich aufbauen.

Man kann daher eine drastische Monopolisierung, wie man sie auch schon jetzt im Musik-CD-Bereich antrifft, erkennen.

Das ganze liegt einer als selbstverständlich gehandelten Einstellung der Verwertungsgesellschaften zugrunde, die beinhaltet, dass jedes unvergütet zur Verfügung gestellte Musikstück einem Lizenzklau und einem imaginären Verlust gleichkommt. Der Erfolg eines Musikstückes wird dort nur in Form von finanziellen Einnahmen gewertet, der Begriff "Kulturelle Verantwortung" scheint dort nicht bekannt zu sein.

Man versucht aber nicht nur durch höhere Gebühren den Sendern das Leben schwer zu machen, auch die Zuhörer müssen sich einschränken: so sind Werkvorstellungen nicht mehr möglich, da man maximal 4 Stücke des selben Künstlers innerhalb von 3 Stunden senden darf. Vom selben Album dürfen es sogar nur 3 verschiedene Titel sein.

Warten wir ab, was geschieht. Wie so oft fehlt den Anhängern einer nicht kommerzialisierten Kultursparte das nötige Kleingeld für eine konkurrenzfähige Lobby (welche mitlerweile als die 5. der 3 Gewalten gehandelt wird). So werden Verbraucherschützer, Internetforen oder verschiedene Projekthomepages zwar darüber berichten, aber über den Aufmerksamkeitshorizont der eigenen Zielgruppe wird die Meldung nicht hinaus kommen.

Erst wenn man mit Gegenmaßnahmen, das heißt mit Werbeaktionen wie "Verwertungsanstalten sind Kulturverbrecher" oder durch den gezielten Einsatz von Lobbyisten auf Deutschland- und EU-Ebene die Politiker und die Gesamtbevölkerung, sowie die allgemeinberichtenden Medien auf die Misere aufmerksam macht, wird auch etwas geschehen.

Und so bleibt zu hoffen und gleichzeitig zu befürchten, dass wir uns in nicht allzu ferner Zukunft mit den Werten der 68er befassen und gänzlich auf kommerzielle Musik verzichten, still nach dem Motto: Wir produzieren selbst, frei, und völlig unabhängig davon, wie schrecklich es sich anhört.

So hören wir dann zwar qualitativ minderwertigere Musik, diese aber uneingeschränkt.

Weitere Informationen:

gvl-protest.de
radioabbau.de
radiosites.de


NimeoB
Insider
Beitrag vom:
25-04-2005, 10:37:12

Ich hab zwar keine Ahnung wie die Rechtslage in Österreich oder der Schweiz aussieht, aber vielleicht wär die Übersiedelung der Webradios ins "befreundete Ausland" (;-)) in erwägung zu ziehen.

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