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Home - Fortbildung­&Lektüre - Buchrezension: Java-Swing, das Einsteigerseminar



Buchrezension: Java-Swing, das Einsteigerseminar

Swing ist ein mächtiges GUI-Toolkit für die Programmiersprache Java. Genauso mächtig wie Swing selbst sind auch die meisten Bücher zu diesem Thema; 1'000 Seiten und mehr sind keine Seltenheit, kompaktere Bücher über das Thema sucht man vergebens. "Java-Swing, das Einsteigerseminar" von Ralph Jesse versucht diese Lücke zu schliessen.


Autor: Patrick Bucher (paedubucher)
Datum: 27-03-2008, 18:38:39
Referenzen: Ralph Jesse: Java-Swing, das Einsteigerseminar, bhv-Verlag, ISBN: 3-8266-7224-0
Schwierigkeit: none
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Allgemeines und Verarbeitung

"Java-Swing, das Einsteigerseminar" ist 2002 beim bhv-Verlag erschienen (ISBN: 3-8266-7224-0) und für gerade mal 10 € zu haben. Zunächst fällt das etwas exotische A5-Format auf. Dadurch ist das Buch relativ dick (350 Seiten) und kann darum nicht gut umgelegt werden, das Buch klappt ständig wieder zu. Möchte man es dann knicken, drohen schon die ersten Seiten herauszufallen. Dies fällt schon einmal unangenehm auf, für die Arbeit am PC ist es nicht wirklich zu gebrauchen.

Kapitel 1: Einführung in Swing

Das Kapitel zum Einstieg halte ich für recht gelungen. Man erhält auch eine gute Übersicht über alle Swing-Komponenten. Diese ist leider auf zwei Seiten verteilt, mit etwas Layout-Optimierung hätte man noch mehr Übersicht schaffen können. Zudem wird auch auf das Kompilieren und Ausführen von Swing-Anwendungen eingegangen. Das Kapitel endet mit einem Hallo-Welt Beispiel (als Applet und als Applikation).
Zum Schluss des Kapitels stehen einige Fragen und Übungen. In diesem Kapitel handelt es sich mehr um die Abfrage von zuvor auswendig gelernten Begriffen. Dies fördert das Verständnis von Swing nicht wirklich.

Kapitel 2: Konzepte und Grundlagen

Das zweite Kapitel beginnt dann mit grundlegenden Erklärungen zu verschiedenen Komponenten-Typen. Weiter werden die verschiedenen "Pane"-Typen angesprochen. Die grafische Aufbereitung dazu ist jedoch von minderer Qualität, der Autor versucht dies durch Verweise auf die offizielle Dokumentation zu kompensieren. Es folgt ein gelungener Teil zu Standarddialogen, das Kapitel geht dann mit einigen Beispielen zu Menüs, Buttons und Ereignissen weiter. Nun denkt man, dass das Kapitel offenbar bald zu Ende sein wird. Falsch; Menüs werden (nach einer etwa 40-seitiger Unterbrechung durch andere Komponenten) wieder angesprochen, nun geht es um Untermenüs, Shortcuts sowie Radiobuttons und Checkboxen innerhalb von Menüs. Didaktisch katastrophal; zuerst werden Menüs besprochen, es folgen 40 Seiten Ablenkung und erst dann wird sehr detailliert auf Menüs eingegangen. Solche Fehler wären wirklich zu vermeinden gewesen! Es folgt ein Einschub zu Toolbars, danach kommt noch einmal ein Abschnitt über Menüs (Deaktivieren ven Menüs). Der Leser ist hier bereits komplett verwirrt, von Übersicht kann gar keine Rede mehr sein. Etwa 50 Seiten zu Menüs, verteilt auf drei kleinere und grössere Happen und das in einem Kapitel mit der Bezeichnung "Grundlagen und Konzepte". Die Struktur ist überhaupt nicht gelungen!

Kapitel 3: Ereignisse

Im dritten Kapitel geht es um Ereignisse. Die graphische Aufbereitung dazu ist definitiv nicht gelungen, vermutlich hat der Autor seine Grafiken mithilfe von Microsoft Word erstellt. Noch schlimmer; es wird auf Ereignisse eingegangen, deren zugehörigen Komponenten noch gar nicht erläutert wurden! Wer soll sich da noch zurechtfinden?

Kapitel 4: Layout-Manager

Das Kapitel über Layout-Manager scheint zugegebenermassen grösstenteils gelungen zu sein. Die Beispiele sind sinnvoll gewählt und nachvollziehbar implementiert, die grafische Aufbereitung ist jedoch auch hier etwas dürftig. Der Autor pflegt es, Applikationen und Applets alternierend einzusetzen. Dies nervt auf Dauer etwas, da man nicht bei jedem zweiten Beispiel den Code zur Erstellung eines Java-Applets sehen möchte.

Kapitel 5: Benutzeroberflächen mit Swing

Was hat man unter so einer nichtssagenden Kapitelüberschrift wohl zu erwarten? Zunächst 20 Seiten über Look and Feels, fünf Seiten über das Einrahmen von Komponenten und zu guter letzt noch ein Abschnitt mit der nichtssagenden Überschrift "Bessere Programme". In diesem Abschnitt werden Komponenten wie Tooltips, Popup-Menüs und Progress-Bars beschrieben. Wir sind mittlerweile auf Seite 235, kennen schon die Grundlagen von Swing, wissen etwas über Layout-Manager und Ereignisse, vieles über Look and Feels und können einem Button nun einen Rahmen bestehend aus kleinen Kreisen verpassen. Wann werden endlich wichtige Themen wie MVC und Multithreading angesprochen?

Kapitel 6: Weitere Swing-Komponenten

Dieses Kapitel halte ich wiederum für recht gelungen, auf 80 Seiten werden Standarddialoge (Farb- und Dateiauswahl), verschiedene Möglichkeiten zur Texteingabe, ScrollPanels, TabbedPanes und Splitter abgehandelt. Die Beispiele scheinen manchmal etwas lang. Dies mag auch daran liegen, dass der Autor oftmals Zeilenumbrüche viel zu früh setzt und so einzelne Zeilen unnötig verteilt. Die Lesbarkeit fördert das auf jeden Fall nicht.

Kapitel 7: Spezielle Swing-Komponenten

Zum dritten mal eine nichtssagende Kapitelüberschrift, was erwartet uns denn hier? Einerseits versucht der Autor Tabellen auf 13 Seiten abzuhandeln und erläutert dabei nicht einmal das MVC-Pattern. Er erwähnt zwar den Begriff Model, implementiert selbst ein Tabellenmodell, scheint dabei aber keine Kenntnis von Model, View und Controller zu haben. Würde der Autor dieses Konzept kennen, hätte er es hier zumindest angeschnitten. Es folgt der verzweifelte Versuch, Baumstrukturen auf sieben Seiten abzuhandeln. Es musste wohl gegen Ende etwas schneller gehen...

Anhang

Der Anhang besteht aus zwei Teilen: Den Lösungen zu den Fragen und dem eigentlichen Anhang. Da ich die mehr oder weniger sinnvollen Fragen nicht beantwortet, die Übungen nicht gelöst habe, überging ich auch die Lösungen.
Der eigentliche Anhang schneidet dann neue Features des JDK 1.4 an. Komisch; es handelt sich hierbei um die erste Auflage des Buches. Warum hat der Autor nicht gleich die Features von JDK 1.4 vorweg in den einzelnen Kapiteln erläutert? Weiter ist im Anhang eine Anleitung zu finden, wie man AWT-Programme nach Swing portieren kann. Da ich mich mit AWT nicht auskenne und so noch nie eine Anwendung auf Swing portieren musste, kann ich über diesen Abschnitt keine Aussage machen. Am Ende vom Anhang folgt noch eine triviale Einleitung in die Fehlersuche. Die hätte sich der Autor angesichts des äusserst geringen Umfangs und der damit einhergehenden Oberflächlichkeit ruhig ersparen können.

Fazit

Positiv:

  • Die Einführung wirkt einigermassen systematisch und ist durchaus gelungen.
  • Das Kapitel über LayoutManager ist sehr informativ und enthält sinnvolle Beispiele.
  • Der Preis ist sehr tief.

Negativ:

  • Das Buch ist sehr schlecht strukturiert, dies verraten schon die nichtssagenden Kapitelüberschriften
  • Triviale Aspekte von Swing, wie Look and Feels und bunte Rahmen werden stärker gewichtet als grundlegende Konzepte wie MVC.
  • Den Begriff "Multithreading" sucht man im Buch vergebens, es wird nirgends eine Operation im Hintergrund ausgeführt.
  • Manche Code-Beispiele sind mehr als fragwürdig.
  • Die grafische Aufbereitung lässt zu wünschen übrig.

Insgesamt sollte man sich die 10 € sparen, den nächsten Copyshop aufsuchen und sich dort das offizielle Swing-Tutorial von der Sun-Website ausdrucken.



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