IT-Academy Logo
Sign Up Login Help
Home - Internet - Spam - Der Untergang der eMail-Kommunikation?



Spam - Der Untergang der eMail-Kommunikation?

Sollten Sie bereits länger als 1 Woche Zugang zum Internet haben, wissen Sie was Spam ist und haben wahrscheinlich bereits Spam-Mails erhalten. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass mittlerweile rund 65% aller welweit versendeten eMails "Spams" sind - Tendenz steigend.


Autor: Michael Wagner (Michael)
Datum: 11-09-2002, 22:48:26
Referenzen: http://www.marketingtipps.com
Schwierigkeit: none
Ansichten: 5983x
Rating: 5 (7x bewertet)

Hinweis:

Für den hier dargestellte Inhalt ist nicht der Betreiber der Plattform, sondern der jeweilige Autor verantwortlich.
Falls Sie Missbrauch vermuten, bitten wir Sie, uns unter missbrauch@it-academy.cc zu kontaktieren.

[Druckansicht] [Als E-Mail senden] [Kommentar verfassen]



Einleitung

Ein Hauptargument der Spamming-Sympathisanten liegt bekanntlich ja darin, dass der Erhalt dieser Werbenachrichten "niemandem schadet oder jemanden etwas kostet". Oder, dass nur Spamming den Klein- und Kleinst-Unternehmern im Internet die Möglichkeit gibt, mit den sogenannten "Global Players" mitzuhalten. Oder, dass Spam die Wirtschaft ankurbelt. Oder, dass Spamming nur das wahrgenommene Recht auf freie Meinungsäußerung sei (sic!).

Hah!

Einige Punkte über die der "Spammer in spe" nachdenken sollte bevor er sich mit mir auf Diskussionen einlässt...
  • Der Schaden der entsteht, allein durch die Verschwendung von Bandbreite für die letztendlich wieder der Nutzer bezahlt?
  • Der Schaden der entsteht weil immer mehr ISPs, Hostingprovider und Kunden glauben, zusätzliche (Geld- und/oder zeitaufwendige) Filter-Programme installieren zu müssen, deren Kosten schlussendlich immer auf die End-User abwälzt werden und deren Funktionsweise sie oftmals nicht mal ansatzweise verstehen und die deshalb mehr Schaden anrichten als sie verhindern? (Mehr dazu später.)
  • Der Schaden, der entsteht durch den Zeitaufwand der nötig ist um eMails durchzusehen um "saubere" Nachrichten vom restlichen Spam zu trennen? Ob es schlussendlich kostenpflichtige Online-Zeit ist oder nicht, ist nebensächlich angesichts der Tatsache, dass es "meine" Zeit ist, die hier verschwendet wird.
  • Die Zahl der "legitimen" Unternehmer, Werbetreibenden und Endbenutzer die auf eine der zahlreichen Blacklists gesetzt wurden weil eMail-Adressen gefälscht oder Mail-Server missbraucht werden?
  • Hardcore-Porno-Mails die von 10-jähigen Kindern gelesen werden?
  • Die mittelfristig weltweite Lahmlegung des kompletten eMail-Systems? (Mehr dazu später.)
Wurde Spam noch bis vor einiger Zeit von der Mehrheit der Internet-Benutzer nur als "ärgerlich" bis "zeitaufwendig" empfunden, bedroht diese Art des "Marketings" mittlerweile nicht nur die Existenz aller Online-Marketer, die versuchen, auf verantwortungsvollem Weg (Stichwort Opt-In Mailinglisten) Ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern stellt das gesamte, weltweite eMail-System vor ein Problem.

Zeit sich etwas zu überlegen.

Vor allem, was genau "Spam" denn nun eigentlich ist. Viele hitzige Diskussionen zwischen Spam Befürworten und radikalen Spam-Gegnern wären vermeidbar wenn man nur genau wüsste was der jeweils andere meint wenn er das Wort "Spam" in den Mund nimmt...

Im Laufe der Zeit habe ich viele mehr oder minder abstruse Spam-Definitionen gehört, hier ein kleiner Auszug:
  • "Spam ist gar nichts, außer es werden illegale Inhalte beworben."
  • "Spam ist jede eMail an der Routing-Informationen verändert wurden oder die unerlaubte Relays verwendet."
  • "Spam ist jede eMail die versucht Spam-Filter zu umgehen."
Gute Gründe um eMails systemweit zu blockieren, sicher. Aber Spam?

Meine Lieblings-Definition:

  • "Spam ist alles was ich nicht erhalten will. Egal ob ich ursprünglich danach gefragt habe. Was Spam ist und was nicht liegt allein im Auge des Betrachters..." (sic!)
Äh, Hallo? Kann mal jemand dem jungen Mann den Weg zum Ausgang zeigen?

Tatsache ist, es gibt im Moment keine allgemein anerkannte Definition die sowohl objektiv als auch lösungsorientiert ist - und genau das macht Spam-Diskussionen schwer, sinnlos und oft sehr "hitzig".

Die einzige Definition, auf die innerhalb dieses Artikels Bezug genommen wird, ist: Unsolicited Bulk Email (UBE) - übersetzt in etwa: Unverlangte Massen-Email. Massen-Emails, die bewusst an Empfänger versendet werden, die nicht danach gefragt haben.

  • Wenn man darum gebeten hat, ist es kein Spam.
  • Wenn es keine "Massen"-Email ist, ist es keine Bedrohung für das Email-System - kein Spam.
Wenn immer hier von "Spam" die Rede ist, ist damit nur "UBE" gemeint. Der Inhalt von Spam ist irrelevant und steht nicht zur Diskussion. Religiöser Spam ist mir kein bisschen lieber als politischer, pornografischer und "normaler" (commercial) Spam.

Es ist egal, ob der Versender von UBE ein weltweit agierender Konzern oder eine einzelne Person ist, die schnell mal nebenbei etwas dazuverdienen möchte. Wenn Sie bewusst Massen-Emails an Empfänger verschicken die nicht ausdrücklich danach verlangt haben, sind Sie ein Spammer. Sie verwenden meine Ressourcen, auf meine Kosten und ohne mein Einverständnis. Im allgemeinen nennt man das Diebstahl.

Krieg der Spammer

Mittlerweile herrscht eine Art Kriegszustand zwischen Spammern und dem Rest des Netzes. Und es artet zu einem Rüstungswettlauf aus, in dem diejenigen, die glauben mit Software alles in den Griff zu bekommen, versuchen Programme zu entwickeln, die den Spammern das Leben schwerer macht - mit dem einzigen Effekt, dass die Spammer wiederum noch trickreichere Wege finden uns Ihre eMails unterzuschieben. Dazwischen (wie in jeder größeren Auseinadersetzung) gibt es eine Menge Flurschaden.

Spammer beschuldigen sich untereinander ("Die Porno-Spam Versender sind an allem schuld!"), Streitigkeiten gibt's auch zwischen Spammern und alteingesessenen Internet-Puristen, die, zu einem Teil, "dieses" Internet mitaufgebaut haben und es wieder dorthin bringen wollen "wo es hingehört". Diese "Oldies" sind übrigens erstaunlich oft dieselben Leute, die glauben, dass jede kommerzielle eMail (ob erbeten oder nicht ) prinzipiell ein Werk des Teufels ist und die glauben, dass Online-Marketer der Tod des "Internets wie's einmal war" sind. Doch dabei wird übersehen, dass das Internet sich wie jede Gesellschaftsform entwickelt - und keine Gesellschaft hat jemals überlebt indem es in der Pionier-Zeit stehen geblieben ist.

Eine weitere Front verläuft zwischen den Spammern und den Hardcore-Anti-Spammern, die versuchen diesen Krieg mit dem einzigen Mittel welches online universale Gültigkeit zu besitzen scheint, zu gewinnen: Software. Dass dieser Ansatz maßgeblich zum rapiden Wachstum aller versendeten Spams weltweit beigetragen hat ist den meisten nicht einmal bewusst.

Dieses ganz Hick-hack ist im Grunde blanker Unsinn und lenkt nur vom eigentlichen Konflikt ab, der da heißt: Spammer vs Alle anderen.

Spammer (und zwar alle) verwenden anderer Leute Ressourcen für ihre eigenen Interessen ohne dafür zu bezahlen. Sie wälzen ihre "Werbekosten" auf ISPs ab, auf Webhosts, Endbenutzer und auf jeden der das Internet auf verantwortungsvolle Weise nutzt.

Spam existiert nur, weil es Menschen gibt die von Spammern kaufen. Spamming ist eine eigene Branche in der die Spammer untereinander Listen mit eMail-Adressen tauschen, kaufen und verkaufen. Und sie spammen für verschieden Produkte, d.h. wenn Sie ein einziges in einer Spam-Mail beworbenes Produkt kaufen, können Sie sicher sein, in Zukunft noch viel mehr Spam zu erhalten (auch für andere Produkte), denn dann taucht Ihre eMail-Adresse auch auf Listen anderer Spammer auf. Beschweren Sie sich dann bloß nicht, wenn Ihre Kinder eMails mit pornografischen Inhalt bekommen - Sie selber haben das zu verantworten.

Durchschnittlich müssen zwischen 1.000 und 10.000 Spams versendet werden um ein einziges Produkt zu verkaufen. Wenn Sie also von einem Spammer kaufen, sind Sie persönlich für die nächsten 1.000 bis 10.000 Spams verantwortlich - einschließlich der Porno-Spams, die Ihre Kinder erhalten...
Nur um das nochmal in aller Deutlichkeit zu klar zu stellen: der Inhalt von Spam-eMails ist völlig nebensächlich und für diese Diskussion absolut irrelevant.

Das eigentliche Problem

Spam wird, solange er profitabel ist, mittelfristig eMail als Kommunikationsmedium für uns alle zerstören.

Einige Faktoren dabei sind:

  • Mehr oder weiniger "offizielle" und eine Vielzahlprivater Blacklist-Server, über das ganze Internet verstreut und üblicherweise nicht sehr verantwortungsbewusst gewartet. Verantwortungsbewusst im Sinne von verifizierten und nachvollziehbaren Blockierungen, bei denen auch darauf geachtet wird, dass nicht unschuldige Opfer von Spammern (wie z.B. Unternehmen/Institutionen deren Mail-Server durch Spammer missbraucht wurden) von jeglicher weiteren eMail-Kommunikation in großen Teilen des Netzes abgeschnitten werden.
  • Überarbeitete und unterbezahlte Systemadministratoren mit unterschiedlichen Definitionen von Spam - von persönlichen Vorurteilen ("Porno ist prinzipiell Teufels-Werk und muss gefiltert werden!") mal ganz abgesehen.
  • Die grossen Firmen, die das Backbone verwalten und die ganz eigene Regeln im Umgang mit Spammern aufstellen.
  • Politiker die, mit kräftiger Unterstützung der jeweils zuständigen Direkt-Marketing-Lobbies, "bürgernahe" Lösungen "erarbeiten".
  • Anti-Spam-Tools die, damit Sie nicht selbst das Problem noch vergrößern, entweder voraussetzen, dass der durchschnittliche User weiß wie eMail wirklich funktioniert, was er (der durchschnittliche User) aber nicht tut, oder deren eingestellte Standard-Filter so lächerlich allgemein gehalten sind, dass eMails inhaltlich nach Wörtern und Phrasen wie "Money back guarantee", "Buy Direct" oder "SPAM software" durchsuchen und Merkmale wie "Common footer for Hotmail", oder sogar "Subject looks like order info" verdächtig findet.
Kombinieren Sie diese Faktoren und heraus kommt ein nicht ganz so rosiges Bild von der Zukunft der eMail-Kommunikation. Der Kollateralschaden der bereits heute entsteht ist enorm. Neben vielen "echten" Spams, werden nachgewiesenermaßen unzählige reguläre Nachrichten gefiltert. Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Können Sie unter diesen Umständen wirklich sicher sein, dass alle Ihre eMails auch tatsächlich ankommen?

Alle technischen Hilfsmittel wie...
  • mit Hilfe von JS oder anderen Skriptsprachen dynamisch generierte eMail-Adressen
  • ISP seitige Filter-System
  • End-User Software wie Mailwasher u.ä.
haben eines gemeinsam: Sie heilen die Symptome, nicht die Ursache.

Kurzfristig wirksam? Vielleicht.
Langfristig erfolgreich? Sicher nicht. Diesen Wettlauf gewinnen die Spammer.

Spätestens dann, wenn soviel Kollateralschaden entstanden ist, dass nicht mehr nur meistens Online-Marketer betroffen sind (die in der Regel auf relativ große Mailinglisten angewiesen sind), sondern auch Opa, Oma und Tante Jutta bei jeder versendeten eMail telefonisch nachfragen müssen ob sie denn auch wirklich angekommen ist, sollte auch dem letzten klar geworden sein:

"Spam" ist kein technisches Problem

Die einzige nachhaltige Möglichkeit das Problem "Spam" in den Griff zu bekommen liegt darin, End-User dahingehend zu erziehen, nichts und niemals von Spammern oder Firmen die Spamming (manche auch stillschweigend) dulden, zu kaufen. Nicht unmittelbar bei Erhalt der Spams und nicht später.

Spammer trifft man am effektivsten dort wo es ihnen wirklich weh tut: In Ihrer Brieftasche.

Erzählen Sie's Ihren Freunden.



Artikel ursprünglich erschienen im MarketingTipps.com Newsletter (Klick!)


dreamer
Expert
Beitrag vom:
26-12-2003, 13:05:20

Email wird es immer geben, dafür ist es ein zu gutes Medium. Man sollte halt aufpassen wo im Internet man seine Email-Adresse hinterläst. Für dem Download von Freeware empfiehlt es sich eine neue Email-Adresse anzulegen (und diese dann nie wieder zu nutzen).

-----------------------------------------------------


[back to top]



Userdaten
User nicht eingeloggt

Gesamtranking
Werbung
Datenbankstand
Autoren:04508
Artikel:00815
Glossar:04116
News:13565
Userbeiträge:16552
Queueeinträge:06245
News Umfrage
Ihre Anforderungen an ein Online-Zeiterfassungs-Produkt?
Mobile Nutzung möglich (Ipone, Android)
Externe API Schnittstelle/Plugins dritter
Zeiterfassung meiner Mitarbeiter
Exportieren in CSV/XLS
Siehe Kommentar



[Results] | [Archiv] Votes: 1150
Comments: 0